"Dem Geist ist es zuträglicher, vogelfrei zu sein als pensionsberechtigt". Weblog über die österreichische Schriftstellerin Jeannie Ebner als Begleitung zur (mittlerweile abgebrochenen) Diplomarbeit "Frauenfiguren und Frauenrolle(n) bei Jeannie Ebner" an der Universität Wien
Samstag, Juni 07, 2008
Naivität, "sobald Gedankliches miteinfließt"
In einem Brief vom 6. September 1952 schreibt Heimito von Doderer, übrigens in einer wunderbaren Handschrift und Seitengestaltung: "Lassen Sie mich Ihnen mitteilen, dass ich Ihr Manuscript schon gelesen habe. Es stellt Ihre dichterischen Fähigkeiten für mich ausser Zweifel, ich habe dabei auch nicht stören lassen durch die Naivität, welche Sie zeigen, sobald Gedankliches miteinfließt; hier bringen Sie es nicht selten fertig, Eulen nach Athen zu tragen". Ich vermute aufgrund des Datums des Briefes und der von Doderer erwähnten "Hilflosigkeit, in der sich so ziemlich alle Personen befinden", dass sich dieses Urteil auf "Sie warten auf Antwort" bezieht.
"Beim Adam hast du noch geübt"
In einem Interview mit Sandy Lang, das anlässlich von Jeannie Ebners 80. Geburtstag am 17. November 1998 im Standard erschien, schilderte Ebner, wie sie Hans Weigel kennenlernte: "Einmal besuchte ich eine Lesung. Da kam ein nicht ganz junger, nicht ganz schlanker Herr, zeigte drohend auf mich und sagte: 'Sie dichten!' Es war Hans Weigel. Seitdem arbeitete ich mit ihm zusammen". Und auf die Frage, worauf sie als Redakteurin von "Literatur und Kritik" besonders Wert gelegt habe: "Auf Übersetzungen der polnischen, tschechischen, ungarischen Literatur, weil mir das Altösterreichische am Herzen lag. Und auf Frauen. Es gab plötzlich viele. Ilse Thielsch, Herta [!] Kräftner, Marlen Haushofer, Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger. Die Frauen haben einander übrigens viel neidloser Informationen weitergegeben. Drum sag' ich zum lieben Gott immer: Beim Adam hast Du noch geübt, die Eva ist Dir schon recht gut gelungen".
Freitag, Juni 06, 2008
Jeannie Ebner im Tagblatt-Archiv
Eine Kollegin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass sich im Tagblatt-Archiv sehr wahrscheinlich eine Mappe über Jeannie Ebner befindet, und tatsächlich gab es eine - ein Volltreffer! Hier sind einige Zeitungsartikel gesammelt, die nicht im Dossier des Innsbrucker Zeitungsarchives enthalten sind, und in einigen steht etwas für meine Diplomarbeit höchst Brauchbares drin, was auch mein bisheriges Inhaltsverzeichnis stützt. Bin im Moment wieder gut drauf. Am 17. Juni hab ich wieder Referat im DiplomandInnenseminar, und da möchte ich gerne etwas aus dem geplanten Abschnitt "Förderin und Geförderte" bringen, z.B. "Jeannie Ebner und Hans Weigel" oder besser noch "Jeannie Ebner und Hilde Spiel".
Montag, Mai 26, 2008
Matriarchat-Romantik
Clara Menck schreibt 1964 über den Roman "Figuren in Schwarz und Weiß": "ganz verwirrt wird die Frage von Schwarz und Weiß, als diese Matriarchat-Romantik mit lesbischen Untertönen in eine Abendland-rettende G'schaftelhuberei, und die wieder in ein Desaster von wildester Chaotik übergeht" (Quelle: Kopie aus dem IZA-Zeitungsarchiv, leider ohne Angabe der Zeitung oder Zeitschrift). Ich frage mich, ob wir dasselbe Buch gelesen haben...
Hans Weigels 100. Geburtstag
Hans Weigel wurde am 29. Mai 1908 geboren, und aus diesem Anlass erscheinen dieser Tage in österreichischen Tageszeitungen viele Artikel über ihn. Zumindest einer davon erwähnt auch Jeannie Ebner: David Axmann schreibt in seinem Text "Sensibel und witzig", der am 24. Mai in der Wiener Zeitung zu lesen war: "Weigel bemühte sich in den Nachkriegsjahren so intensiv wie erfolgreich darum, die junge österreichische Literatur zu fördern: Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Milo Dor, Jeannie Ebner, Herbert Eisenreich, Reinhard Federmann, Gerhard Fritsch, Marlen Haushofer, Hertha Kräftner, Friederike Mayröcker u.v.a. sind von Weigel mit Rat und Tat unterstützt worden, zum Beispiel in der von ihm herausgegebenen Anthologienreihe 'Stimmen der Gegenwart' (1951 - 1954)". -- Weitere Berichte in Welt, Presse, BVZ.
Vorbild?
Im "Germanistenfragebogen" der Kritischen Ausgabe sagt Kathrin Passig über ihre Germanistik-Diplomarbeit: "Ich bin stolz auf diese Abschlussarbeit, weil ich sie an einem Freitag begonnen und am darauffolgenden Mittwoch eingereicht habe. Und am Freitag konnte ich noch nicht mal LaTeX".
Mittwoch, Mai 14, 2008
Drei Lieder nach Jeannie Ebner
In der Datenbank des Mica habe ich entdeckt, dass Gerhard Lampersberg "Drei Lieder nach Jeannie Ebner für Sopran und Klavier" komponiert hat. Als Entstehungsdatum wird 1951 angegeben, die Titel sind "Wehmut", "Ich liebe" und "Lied", Ort der Uraufführung war das Konzerthaus.
Encyclopedia of continental women writers
Da in vielen Nachschlagewerken à la "Frauen im Literaturbetrieb nach 1945" nichts über Jeannie Ebner verzeichnet ist, war ich umso überraschter, einen ganzseitigen Eintrag in der "Encyclopedia of continental women writers", herausgegeben von Katharina M. Wilson und erschienen 1991 bei St. James Press, zu finden: "Jeannie Ebner is a good illustration of the difficulty Austrian writers have in gaining recognition. An accomplished translator, the successful editor of a prestigious literary journal, and the author of several outstanding volumes of poetry and prose fiction, only recently has she come to be widely known and respected outside of Austria (...) Ebner has achieved prominence in three important areas, as a translator, editor, and author of belletristic works. In her prose fiction the female protagonists are faced with the problems - practical and existential - of modern life. Without minimizing the seriousness of the problems, Ebner consistently, if by no means pervasively, suggests that experience can be a teacher and a measure of equiibrium can be attained" (S. 360).
Donnerstag, April 17, 2008
"Fregatte Frauenliteratur"
Die schottische Schriftstellerin A.L. Kennedy schreibt in ihrem Artikel "Fregatte Frauenliteratur" in der FAZ vom 9. Juni 2005 über das Etikett "Frauenliteratur", das ihrer Ansicht nach oft als das definiert wird, "was die betreffenden Journalisten, Kommentatoren, Akademiker oder Autoren an den letzten paar Büchern von Frauen gestört hat, die sie gelesen haben".
Sonntag, April 06, 2008
Mehr Nachlass als erwartet
Am Donnerstag habe ich erfahren, dass der Nachlass Jeannie Ebners nicht die mir bekannten fünf Archivboxen, sondern rund fünfzig davon umfasst, dass aber alle anderen Schachteln, die auch jede Menge Briefe enthalten, noch nicht aufgearbeitet wurden und damit auch nicht benutzbar sind. Nachdem ich seit Februar vierzig Stunden arbeite, kann ich nicht einmal freiwillig dafür melden, eine Nachlassliste zu verfassen. Nun ist die Frage, ob die Auswahl, die mir im Moment zur Verfügung steht, als Quelle annähernd repräsentativ ist *seufz*
Freitag, April 04, 2008
Weigel-Gala-Abend
Am Samstag, dem 31. Mai 2008, um 19.30 Uhr findet im Konzerthaus ein Gala-Abend anläßlich des 100. Geburtstages von Hans Weigel statt. Programm: "Chansons, Couplets, Prosa, Witz, Musik und Erinnerungen an Hans Weigel". Durch den Abend führen Elfriede Ott, Fritz Muliar und Georg Markus. Musikalische Leitung: Richard Oesterreicher & Band. Mitwirkende u. a.: Gerd Bacher, Rudolf Buczolich, Karlheinz Hackl, Miguel Herz-Kestranek, Adi Hirschal, Heinz Holecek, Lotte Ingrisch, Dagmar Koller, Lore Krainer, Helmuth Lohner, Heinz Marecek, Louise Martini, Felix Mitterer, Herbert Pirker, Herbert Prikopa, Joesi Prokopetz, Werner Schneyder, Helmut Zilk.
Samstag, März 29, 2008
Ö1 über Hertha Kräftner
Am 25. April um 22.15 Uhr sendet Ö1 in den Tonspuren das Portrait "Der Himmel wurde gelb wie schäbiges Papier" aus Anlass des 80. Geburtstages von Hertha Kräftner. Das Feature wird gestaltet von Isabelle Engels und Alfred Koch.
Mittwoch, März 19, 2008
"scheinintellektuelle Geschwätzigkeitsliteratur"
"Die Schreker wie die Billroth, wie der Lebensgefährte der Schreker verkörpern heute diese Art von epigonaler scheinintellektueller Geschwätzigkeitsliteratur, die mir immer verhaßt gewesen ist und die von fanatisch-modischen, immer brillierenden, in ihrer literaturwissenschaftlichen Pubertät stecken gebliebenen Lektoren geliebt und von den senilen Beamten des Kulturministeriums auf dem Minoritenplatz eifrig subventioniert wird" (*). - Aus: Thomas Bernhard: Holzfällen. Eine Erregung. 4. Aufl. Suhrkamp 1994, S. 261
Dazu schreibt die FAZ am 10. Oktober 2007: "Wenn der Erzähler etwa einer Schriftstellerin, die im veröffentlichten Buch Anna Schreker heißt, deren Name in der ersten Fassung des Buches jedoch noch Juniröcker war, vorwirft, dass sie und ihr Lebensgefährte, der Autor hochdekorierter Lautpoesie und Träger des Staatspreises, eine 'Staatspfründerexistenz' führten - ist es dann von Bedeutung oder ganz unwichtig, dass der Autor dieser Invektive, selbst Träger des Staatspreises, nachweislich mehr Geld von der Republik Österreich erhalten hat als die hinter Frau Schreker so deutlich erkennbare Friederike Mayröcker?"
Dazu schreibt die FAZ am 10. Oktober 2007: "Wenn der Erzähler etwa einer Schriftstellerin, die im veröffentlichten Buch Anna Schreker heißt, deren Name in der ersten Fassung des Buches jedoch noch Juniröcker war, vorwirft, dass sie und ihr Lebensgefährte, der Autor hochdekorierter Lautpoesie und Träger des Staatspreises, eine 'Staatspfründerexistenz' führten - ist es dann von Bedeutung oder ganz unwichtig, dass der Autor dieser Invektive, selbst Träger des Staatspreises, nachweislich mehr Geld von der Republik Österreich erhalten hat als die hinter Frau Schreker so deutlich erkennbare Friederike Mayröcker?"
Gestern musste ich das von der UB entliehene "Holzfällen" zurückgeben, weil ich das Buch bereits ein Jahr ausgeliehen hatte. Es wird echt Zeit, dass ich was weiterbringe...
Montag, März 17, 2008
ausgelassen, unbändig
Ich habe mir nun das Podium-Porträt von Jeannie Ebner zugelegt. In den "Marginalien zu Leben und Werk von Jeannie Ebner" von Paul Wimmer heißt es: "Jeannie Ebner lachte und tanzte gern, bisweilen ausgelassen, unbändig. Innen aber war sie zutiefst einsam. Dem entsprechend ist ihre Poesie der Niederschlag der Turbulenzen aus Jubel und Trauer" (S. 7).
Donnerstag, März 06, 2008
Opfer für männliches Vergnügen
"Viele Bücher hab ich bekommen, aber kein Kind. Mit sexueller Moral hatte das nichts zu tun. Ich habe trotzdem gelebt und geliebt, nur etwas rücksichtsloser gegen die Männer, von denen ich von da an Rücksicht verlangte. Und sie haben Rücksicht genommen. In der Sorte erotischer Liebe, die nichts als Lust will, gibt es keine Rücksichtsnahme meinerseits. Entweder sind beide einig und glücklich ganz ohne Angst, oder der Abschied findet statt vor jeder Erfüllung. Auch für Frauen ist Liebe kein Grund, zum Opfer zu werden für männliches Vergnügen. Es war eine angenehme Überraschung, immer wieder zu erfahren, daß liebende Männer fähig sind, ein Opfer zu bringen, und daß sie sich nur umso mehr um mich bemühten, weil es galt, Opfer zu bringen".
Tagebuch, 7. November 1987, zitiert nach: Trenkler, Gerhard (Hrsg.): Die neue Penelope. Ein Jeannie-Ebner-Tagebuch. Graz: Styria 1998, S. 241 (vergriffen)
Mittwoch, Februar 27, 2008
Hilde Spiel: Mentorin - Mentee
Im Band "Kanonbildung, Türhüter und Diskursmächte im literarischen Leben Österreichs am Beispiel der Rezeption von Exilliteratur seit 1945" von Daniela Hessmann (Edition Praesens 2005) habe ich eine Passage über das Mentorinnen-Verhältnis zwischen Hilde Spiel und Jeannie Ebner gefunden: "Nicht nur Hilde Spiel fungierte als Fürsprecherin junger Autorinnen und Autoren, sondern auch sie selbst profitierte durch die Unterstützung anderer. So setzte sich die junge Jeannie Ebner in Wien für Spiels Roman Die Früchte des Wohlstands ein und bemühte sich, vergeblich, einen Verleger dafür zu finden. Im Gegenzug förderte Spiel die junge Autorin, rezensierte ihre Bücher und setzte sich bei Verlegern für ihr Erscheinen ein" (S. 170). - Siehe auch Eintrag vom 21. Mai 2007 hierblogs.
Dienstag, Januar 29, 2008
Näher, mein Nachlass, zu mir
Ab Freitag komme ich "meinem" bzw. Jeannie Ebners Nachlass zumindest räumlich etwas näher - ab 1. Februar arbeite ich nämlich in der Wienbibliothek im Rathaus, zwar nicht in der Handschriften-, sondern in der Druckschriftensammlung (bzw. Drucksortensammlung, wie eine Dame vom Personalbüro so schön sagte), aber die beiden sind ja nicht besonders weit voneinander entfernt. Im Moment bin ich gerade damit beschäftigt, mein Altpapier im Büro auszusortieren, meine Oma im Spital zu besuchen, mein Leben mit neuem Job in Wien organisatorisch zu planen (mit wem geh ich wann esssen? mit wem fahr ich wann im Zug? wann muss ich aufstehen? wielange brauche ich wirklich?), Noten für zwei Lehrveranstaltungen à 39 Studierende zu vergeben, sechs Bachelorarbeiten zu bewerten und mir zu überlegen, wie ich meine Büro-Abschiedsfeier am Donnerstag überstehen soll, ohne in Tränen zu zerfließen. Die Diplomarbeit kam da wieder mal etwas zu kurz.
Dabei schrieb uns unser Studienprogrammleiter, dass wir Thema und Betreuer bekannt geben müssen: "Nach §15(4) der Neusatzung des Studienrechts muss ein/e Studierende das Thema der Diplomarbeit (und in Zukunft auch der Masterarbeiten) VOR DER BEARBEITUNG (dh bei Übernahme oder Formulierung) dem Studienprogrammleiter bekannt geben". Gut, ist eh nicht so schlecht, dann ist es wenigstens wirklich offiziell.
Dabei schrieb uns unser Studienprogrammleiter, dass wir Thema und Betreuer bekannt geben müssen: "Nach §15(4) der Neusatzung des Studienrechts muss ein/e Studierende das Thema der Diplomarbeit (und in Zukunft auch der Masterarbeiten) VOR DER BEARBEITUNG (dh bei Übernahme oder Formulierung) dem Studienprogrammleiter bekannt geben". Gut, ist eh nicht so schlecht, dann ist es wenigstens wirklich offiziell.
Mittwoch, Dezember 26, 2007
Vertonung durch Ulf-Diether Soyka
Der Website von Ulf-Diether Soyka entnehme ich, dass er einmal einen Text von Jeannie Ebner vertont hat, und zwar 1979: "Vier Lieder opus 6/1 nach Texten von Marie-Therese Kerschbaumer, Doris Mühringer, Hilde Stöger-Ehrenberger und Jeannie Ebner" (1979)". Wurde - gesungen von Mezzosopran Margarete Palm, am Klavier der Komponist - auch im ORF gezeigt. - Leider steht nicht dabei, um welche Texte es sich handelt.
"einfaches, umfriedetes Leben"
Im Text "Literatur und Widerstand" von Konstantin Kaiser (zu finden auf literaturepochen.at) heißt es: "'Wann endlich werden wir den Heroismus wieder vertauschen dürfen mit der heißersehnten Banalität eines einfachen, umfriedeten Lebens?', fragte Jeannie Ebner in 'Wien, März 1945'(Ebner o. J., 76)".
Tage der schöpferischen Jugend
Im Vortrag "Vera Ferra-Mikura. Eine große österreichische Schriftstellerin, die auch viele kleine Leser begeisterte. Leben und Werk einer Nicht-nur-Kinderbuchautorin", den Susanne _Blumesberger und Elisabeth Mikura am 3. März 2003 im Institut für Wissenschaft und Kunst hielten, heißt es: "Neben Christine Lavant, Jeannie Ebner und vielen anderen nahm Vera Ferra-Mikura im Juni 1951 auch an den Tagen der schöpferischen Jugend in Kapfenberg teil" (online nachzulesen).
Abonnieren
Posts (Atom)